Deklaration
Abhängigkeitserklärung von der Natur
Präambel
Anerkennend, dass der Mensch kein von der Natur unabhängiges Wesen, sondern Teil der umfassenden Lebensgemeinschaft der Biosphäre ist und seine Existenz untrennbar von gesunden Böden, sauberem Wasser, reiner Luft, einem stabilen Klima und der Vielfalt des Lebens abhängt;
in Sorge darüber, dass in unserer fossilkapitalistisch dominierten Welt ein großer Teil der Menschheit so lebt und wirtschaftet, als wären wir von der Natur unabhängig und hätten eine „Unabhängigkeitserklärung von der Natur“ unterzeichnet;
eingedenk der anhaltenden Vernichtung des Unwiederbringlichen, sodass wir uns inmitten des sechsten Massenaussterbens befinden – das erste, für das eine Spezies wissentlich verantwortlich ist;
angesichts der Tatsache, dass Wälder gerodet oder den Flammen überlassen, Böden versiegelt, Flüsse verschmutzt, Feuchtgebiete trockengelegt und Ozeane erhitzt werden, während Tiere, Pflanzen und ganze Ökosysteme ausgebeutet und die Atmosphäre als Deponie für Treibhausgase missbraucht wird;
in Sorge darüber, dass auch in Österreich wertvolle Ackerflächen durch Autobahnen und Gewerbegebiete verloren gehen, Rechenzentren ohne ausreichende Umweltprüfungen genehmigt, Wasserkraftwerke auf Kosten artenreicher Lebensräume errichtet und umwelt- sowie klimaschädliche Wirtschaftsweisen weiterhin mit öffentlichen Mitteln subventioniert werden;
in Erkenntnis, dass diese oft irreversiblen Zerstörungen im Namen eines Fortschritts geschehen, von dem nur ein kleiner Kreis privilegierter Menschen profitiert und diese einen immer größeren und zerstörerischen Überreichtum anhäufen können, während die negativen Folgen von der Allgemeinheit getragen werden;
im Bewusstsein, dass vor allem die Menschen und die Mitwelt des Globalen Südens unter den ökologischen und sozialen Folgen dieser Wirtschaftsweise leiden, deren Nutzen und Lasten höchst ungleich verteilt sind;
alarmiert von Rekordtemperaturen, extremen Hitzewellen, brennenden Wäldern, Dürren, Wasserknappheit und ausgetrockneten Landschaften, die uns die Verletzlichkeit unserer Lebensgrundlagen immer deutlicher vor Augen führen;
in Anerkennung des Eigenwertes der Natur und des Rechts aller Lebewesen und Ökosysteme auf Existenz, Entfaltung, Regeneration und Wiederherstellung;
überzeugt davon, dass die Natur als eigenständige Akteurin und Rechtsträgerin anerkannt werden muss und dass der Schutz ihrer Lebens- und Regenerationsfähigkeit zu einer verbindlichen Grundlage politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Handelns werden muss;
und getragen von der Verantwortung gegenüber heutigen und zukünftigen Generationen sowie gegenüber der gesamten Gemeinschaft des Lebens,
erklären wir unsere Abhängigkeit von der Natur und unsere Verpflichtung, die lebendigen Grundlagen unseres gemeinsamen Daseins zu achten, zu schützen und zu verteidigen.
Abhängigkeitserklärung
Menschenrechte, Werte wie Freiheit, Gleichheit und Solidarität setzen eine intakte Biosphäre und einen respektvollen Umgang mit unserer Mitwelt voraus. Deshalb erklären wir am heutigen ersten Rights of Nature Day als menschlicher Teil des umfassenden Gewebes des Lebendigen unsere Abhängigkeit von der Natur sowie unseren Willen, unsere Beziehung zur Natur so zu gestalten, dass ein gedeihliches Leben für alle, mit allen möglich sein kann.
In den Lebensräumen und auf den Territorien, die uns beherbergen und die uns zu dem machen, was wir sind, feiern wir heute die Erklärung unserer Abhängigkeit (Declaration of Dependence).
Mit dieser Abhängigkeitserklärung bringen wir unsere tiefe Verbundenheit und Gemeinschaft mit allem Leben zum Ausdruck.
Die Quellen der Natur geben bedingungsfrei, wir haben nicht das Recht, diese lebendigen Gaben als unsere Ressourcen zu vereinnahmen.
Rechte der Natur: Ein Perspektivenwechsel, der die Zerstörung stoppen kann und uns mit der Natur wieder in Balance bringt
Ecuador war 2008 das erste Land, das die Rechte der Natur (Ketschua: Pachamama, „Mutter Erde“) in seiner Verfassung festgeschrieben hat. In der Folge konnte dort die Zerstörung wichtiger Ökosysteme verhindert werden. Das erste und bekannteste Ökosystem mit Eigenrechten in Europa ist Spaniens Salzwasserlagune Mar Menor. Sie wurde 2022 als Rechtsperson anerkannt. Zu ihrem Schutz können Bürger:innen jetzt aktiv vor Gericht ziehen.
Weltweit ist die Zahl der Initiativen für die Rechte der Natur inzwischen auf über 500 angewachsen – und ständig kommen neue dazu (www.ecojurisprudence.org).
Dies alles ist uns eine Inspiration.
Auch in Österreich gibt es heute eine wachsende Zahl von Rechte-der-Natur-Initiativen, aber noch keine rechtlichen Anerkennungen.
Im Einklang mit der Global Alliance for the Rights of Nature (GARN) setzen wir uns deshalb dafür ein, dass auch in Österreich die lebendige Mitwelt einen Eigenwert besitzt und mehr ist als der Nutzen, den sie dem Menschen stiftet.
Auch in Österreich sollen Flüsse, Auen und Seen, Berge, Wälder und andere Ökosysteme als Trägerinnen eigener Rechte anerkannt werden, damit sie ihre Unversehrtheit, Existenz, Schutz und Wiederherstellung verteidigen und einklagen können.
Der 23. September 2026, an dem wir uns zum ersten Mal zu dieser Abhängigkeitserklärung bekennen, ist zugleich der erste Rights of Nature Day, den wir von nun an jährlich begehen wollen verbunden auch über den Austausch rightsofnatureday.earth.
Dieses Datum liegt am September-Äquinoktium: Der astronomische Wendepunkt, an dem die Sonne senkrecht über dem Äquator steht und beide Erdhalbkugeln fast gleich stark beleuchtet werden.
Es ist der Tag, an dem der Herbstbeginn der Nordhalbkugel und der Frühlingsbeginn der Südhalbkugel zusammenfallen.
An diesem Tag feiern Menschen schon seit Jahrtausenden, dass sie Teil der Erde und des Kosmos sind.
Wir nehmen diesen Tag zum Anlass um uns tief im Fluss der Natur zu verankern.
Wir verbinden uns miteinander und sind in unserem weltweiten friedlichen Widerstand gegen die Zerstörung von Natur verbunden.
Wir feiern gemeinsam die Fülle des Lebens und dass wir Teil der Natur sind.
Dr. Norbert Mayr, Forum ökosoziale Transformationen
mit GYBN Austria, dem Österreichischen Jugendbiodiversitätsnetzwerk
mitbeteiligt: Christine Ax, Hannes Augustin, Kilian Jörg, Ernst Fürlinger
Erstunterstützer:innen:
Tiroler Umwelt-Anwaltschaft und Lebendige Isel
Initiative für die Isar
Initiative für die Lech
Loisachbündnis e.V.
Lobau Bleibt
Wild Legal
GO BUGS GO
Stop Ecocide Deutschland
Extinction Rebellion Wien
Scientist Rebellion Austria
Scienstists for Future Österreich, Fachgruppe Politik und Recht
Netzwerk Rechte der Natur e.V.
World Future Council
Österreichische Gartenbau-Gesellschaft
Wir laden herzlich ein, sich direkt online auf der Homepage als Unterstützer:in einzutragen.
Wien am 23.9.2026