Grußbotschaft von Nico Döring, Wildflussakademie
Rechte der Natur und eine Stimme für unsere Flüsse und Berge; und unser Lebensgefühl der Erdung, Wertschätzung und Dankbarkeit
Wie finden wir den Zugang zu unserer Mitwelt? Helfen die Eigenrechte der Natur?
Die Eigenrechte der Natur sind ein Ausdruck der Integration der untrennbaren ganzheitlich zusammenhängenden Verbundenheit mit der Natur, ihrer Würde, ihrer Immanenz und Transzendenz.
Unser Sehen und Hören hat mehrere Ebenen, und alle sehen und hören verschieden und integrieren das Gesehene und Gehörte anders, individuell und kulturbasiert.
Die meisten haben schon ein morgendliches Vogelkonzert erlebt, vielleicht vor oder nach Sonnenaufgang? Wer hat dabei die „Sonnenuhr“ wahrgenommen, mit der jede Vogelart zu ihrer Zeit vor oder auch erst nach Sonnenaufgang zu singen beginnt und wieder aufhört? Oder das magische Innehalten und Schweigen bei dem ersten Sonnenstrahl, und den anderen Klang danach, wie wenn jetzt der Tag in seiner Geschäftigkeit beginnen würde. Das Vokalkonzert und verschiedene Arten des Hörens.
In ihrem Sprachgebrauch verhören Vogelkundler:innen die Vögel, sie nehmen dabei die Vogelarten wahr, eine Leistung bei 314 verschiedenen Arten in Deutschland; und es geht weiter mit dem Unterscheiden von Männchen und Weibchen; dem Hören der kleinen Zänkereien untereinander, dem Betteln eines Jungvogels, der kurzen Unterhaltung der Eltern in Nestnähe; dem Regenruf des Altvogels oder der allgemeinen Aufregung wegen einer Katze, die gerade vorbeischleicht.
Diese Ebenen des Hörens sind kulturell anerkannt. Wie entwickelt und geschult unser Hören auch ist, es ist eingebettet in den kulturellen Kontext der Familie und des persönlichen Umfelds. Vielleicht ist manchem das Hören und Sehen in seinem Umfeld vergangen, oder es fühlt sich so eigen an, dass man es für sich behält. Außenseiter oder gar Spinner will auch kein Mensch sein. Dabei sind auch andere Ebenen des Sehens und Hörens beschrieben, beispielsweise das dritte Auge, oder dass man richtig gut mit dem Herzen hören könne. Und so ist es für andere Kulturen selbstverständlich auch einem Fluss oder einem Baum zuzuhören, wenn er etwas erzählt und ihn als Familienmitglied, als Ahne anzusprechen und sich geführt zu fühlen. Bei uns sind es am ehesten die Träume, die eine gesellschaftliche Akzeptanz erfahren.
Musik mit ihrem hohen kulturellen Stellenwert liefert einen Vergleich. Seit vielen Generationen lernen wir Musik, und das in verschiedenen Variationen und zeit- und kulturübergreifend.
Dabei erleben und hören die Zuhörenden wie auch die einzelnen Musizierenden oder gar die Dirigent:innen alle verschieden mit den eigenen Ohren, dem eigenen Kopf, der eigenen Erfahrung und in dem eigenen kulturellen und spirituellen Kontext und den eigenen Gefühlswelten und zudem verschieden von ihren Positionen aus.
Im Gegensatz hierzu sind wir beim Naturhören Lernende oder Anfänger:innen oder nicht einmal das.
Viele geben an, selbst schon Stimmen der Natur erlebt zu haben, vielleicht im Traum, mit einem Baum, einem Tier oder einem Fluss. Ich hatte lange Zeit niemanden, dem ich es wirklich und in seiner Tiefe und Differenziertheit erzählen konnte, so anders war es als mein Alltag. Ich habe es nicht einmal mir selbst wirklich eingestanden, es war erst einmal nicht fassbar, bis es mir Schritt für Schritt bewusster wurde und ich es integrieren lernte.
Unsere Naturverbundenheit und der Natur zuhören ist noch wenig kulturell anerkannt und nicht Hörende stellen in Frage, ob es das überhaupt gibt oder werten es esoterisch ab. Es ist vermeintlich unwissenschaftlich. Dabei sind es zwei Facetten. Und unser abendländisch religiös-kultureller Kontext spricht eine klare Sprache zur Beseeltheit, führt Beispiele auf und erhält an staatlich anerkannten Feiertagen über Jahrhunderte sinnveränderte Rituale aufrecht.
Beispiele hierzu sind der brennende Dornbusch, aus dem Gott spricht, Franz von Assisi, der mit den Tieren sprach und sie verstand oder die drei „Weisen aus dem Morgenland“, Könige verschiedener Hautfarbe, die, auf die Zeichen der Sterne hörend, sich auf Weltreise begaben und zur Geburt Christi zielgenau, und just in time ankamen. Sie hatten naheliegenderweise das besondere Königskind im Königspalast erwartet und erst im zweiten Anlauf zum Stall von Bethlehem gefunden. Wie könnten wir uns diese Konsequenz für uns selbst vorstellen? Wie bereit sind wir gegen den Mainstream zu schwimmen? Was könnten die Ursachen sein, dass wir unsere bewusste Naturbezogenheit nicht ausgebildet oder gar verloren haben, unser tiefes Vertrauen und dabei auch unseren gefeierten kulturprägenden Geschichten kaum mehr Gewicht verleihen?
An meinem Fluss fühle ich mich verbunden, da bin ich daheim
Sich in der Natur daheim zu fühlen, entspricht der Herzensenergie einer Verbundenheit mit vertrauten Menschen, Tieren und anderen Wesenheiten. Dabei mag es sein, dass mehrere Menschen, die an einem Fluss sitzen, Verschiedenes hören. Gehört und gesehen aus verschiedenen Perspektiven ergänzt sich, ohne dass das eine oder das andere falsch ist. So erlebte ich es immer wieder, und manchmal dauerte es, bis ich es erfassen konnte. Sich verbunden fühlen und verstehen sind verschiedene Kategorien.
Messbar ist, dass jeder Fluss seinen eigenen Klang hat, seine eigene Schwingung und sein ureigenes Fließen, mit einem neuen Erscheinungsbild nach jedem Hochwasser. Physikalisch gesehen könnte man sagen, dass der Fluss zwischen verschiedenen Erscheinungsformen pendelt. Wasserbaulich heißt es, dass Flüsse ein Gedächtnis haben. Und mit der Schwingung hat jeder Fluss seinen ureigenen Klang, modulierend in den Frequenzen.
Messbar ist auch, dass Wasser selbst die Energien der Umgebung aufnimmt, die der Minerale, der Tiere und Pflanzen, der Stimmen und andere Schwingungen. Das Fließen des Wassers ist Schwingung und Wasser hat ein Gedächtnis, wie der japanische Arzt Dr. Masaru Emoto mit seinen bekannten Kristallbildern von Flüssen und anderen Wässern zeigte. Auch von der Isar im Karwendel gibt es ein Bild. Neben ihm produzierten mehrere Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Disziplinen ähnlich spektakuläre Bilder in wissenschaftlicher Vorgehensweise und erweiterten unser Wissen dazu. Wie definierten diese Wissenschaftler:innen dabei ihre Wissenschaftlichkeit? Waren sie selbst Teil der Versuchsanordnung? War für sie, wie auch für namhafte Quantenphysiker wie von Albert Einstein, Nils Bohr und Werner von Heisenberg ihre Wissenschaft mit ihrer Religion in Verbundenheit?
Von den Eigenrechten der Natur sprechend nehme ich die Haltung ein, Teil des Ganzen, und als solcher anders aber nicht höher oder geringerwertig zu sein. Meine eigene Wahrnehmung erkennt nur begrenzt Zusammenhänge. Im Miteinander komme ich ins Staunen über das ganzheitliche Zusammenspiel und immer wieder wird eine Verbundenheit und ein Glück spürbar.
Freilich erlebe ich Momente von Getrenntheit, einer Vertreibung aus dem Paradies, geprägt von Flucht oder Mangel.
Ich wünsche, dass mit den Rechten der Natur Schritt für Schritt Bewusstheit entsteht, zu dem was wir an Qualität und Verbundenheit verloren haben und wie wir Mensch und Natur miteinander wertschätzend und in Würde leben können, fast paradiesisch.